Kieler Nachrichten - Vor dem großen Karrieresprung

27.6.2014
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Manche Karrieresprünge sind im wahrsten Sinne des Wortes größer als andere. Der neue Arbeitsplatz von Swen Trinkler liegt etwa 10165 Kilometer Luftlinie von seinem jetzigen Standort entfernt. Anfang Juli übernimmt der bisherige Schulleiter der Flensburger Kurt-Tucholsky-Schule die Leitung der Deutschen Schule Singapur – mit 1500 Schülern aus mehr als 50 Nationen.

Das Haus in Schwentinental ist vermietet, die ersten Kisten sind gepackt, die beiden Töchter aus Schule und Kindergarten abgemeldet. Am 6. Juli startet der Flieger nach Singapur, wo für die vierköpfige Familie ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Die glitzernde Metropole in Südostasien zwischen Indischem Ozean und südchinesischem Meer soll für mindestens vier Jahre ihr Zuhause sein. Für Swen Trinkler geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Die ersten elf Jahre seines Lebens hat der heute 45-Jährige in Saudi-Arabien verbracht, wo sein Vater für eine Fluggesellschaft gearbeitet hat. „Das war eine sehr positive Erfahrung für mich, sie hat mich zweifellos geprägt.“ Seine Leidenschaft für ferne Länder, insbesondere für Asien, konnte Trinkler bislang nur auf Reisen ausleben. Da kam die Stellenausschreibung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) gerade recht.

 Als Lehrer für Geschichte und Wirtschaftspolitik hat Trinkler zunächst am Gymnasium Kronshagen gearbeitet, später als Referent der Schulaufsicht im Bildungsministerium. Als einer der ersten Lehrer in Schleswig-Holstein qualifizierte er sich mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ gezielt für die Leitung einer Schule. In den vergangenen fünf Jahren wandelte er die Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg mit seinem Kollegium von einer kooperativen Gesamtschule in eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe um. „Mit dieser Erfahrung bin ich in Singapur genau richtig“, ist Trinkler überzeugt. 1500 Schüler aus 50 Nationen, 324 Kollegen, und zwei Schulzweige – einem deutschen mit allen Abschlüssen bis zum Abitur und einem europäischen in englischer Sprache – muss Trinkler künftig managen. Bei den Schülern handelt es sich vorwiegend um Sprösslinge von Mitarbeitern großer, weltweit operierender Unternehmen wie Siemens, Bosch oder Lufthansa. „Träger ist ein Schulverein, daher ist die Schule sehr autonom.“ Konkret bedeutet dies, dass Trinkler auch für Finanzen, Personal, Marketing und die Ausgestaltung des geplanten neuen Campus zuständig sein wird – eine ungewöhnliche Aufgabenvielfalt für einen deutschen Schulleiter. „Die Konkurrenz unter den Schulen ist in Singapur viel größer, das ist schon eine große Herausforderung für mich.“

 Nicht nur für ihn. Ehefrau Janine (41) und die Töchter Marie Julie (11) und Josefin (3) begleiten ihn in den Stadtstaat, der wegen seines Wohlstandes, seiner Sauberkeit und Sicherheit als „die Schweiz Asiens“ gilt. Dass die Familienkonferenz nach der Zusage der ZfA und einer Stippvisite beschlossen hat, das Abenteuer auf Zeit zu wagen, liegt laut Trinkler an den vielen Möglichkeiten in der teuersten Stadt der Welt. Tropische Temperaturen, eine große Wohnung in einer Anlage mit Pool, Garten, Spielplätzen und Sportmöglichkeiten, Ausflüge in den Regenwald und Klassenfahrten ins nahe Thailand und Malaysia – was für Nordeuropäer so klingt wie Dauerurlaub, sei in Singapur ganz normal. „Die Leute sind außerdem extrem freundlich“, schwärmt Trinkler. Es gebe ein buntes Miteinander, „aber geregelt“. Das gilt auch für die Schule: Uniform ist Pflicht. Auch ein Novum für den Flensburger Schulleiter.

Quelle: Kieler Nachrichten

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