CAU - Deutsche Auslandslehrerin in China erhält Auszeichnung für innovativste Masterarbeit der Kieler Universität

17.1.2014
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22 Absolvierende schließen erfolgreich ihr Masterstudium „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ ab

133 Lehrkräfte qualifizieren sich derzeit durch den internationalen Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) berufsbegleitend für eine Tätigkeit als schulische Führungskraft. Jetzt erhielten 22 Absolvierende, davon 12 aus Schleswig-Holstein, nach Abschluss ihres viersemestrigen Studiums in einer Feierstunde ihre Zeugnisse.

„In diesem Studiengang wird auf sehr besondere Art und Weise akademischer Inhalt mit praktischer Arbeit verknüpft. Hier bekommen Lehrkräfte und Leitungen komprimiert das, was das ‚Mehr‘ einer Kooperation aus Wissenschaft und Praxis ausmacht“, sagte Professor Jens Möller, Direktor des Instituts für Psychologie und des Zentrums für Lehrerbildung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Verantwortlicher für den Masterstudiengang. Inzwischen sei es gute Tradition, jährlich bei der Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen sowie der Zeugnisübergabe in einer Feierstunde die innovativste Masterarbeit zu prämieren.

Die diesjährige Auszeichnung übergab Ulrich Wiethaup als Vorsitzender der Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT an Claudia Wellnitz, die ihre Masterarbeit während ihrer Tätigkeit als Schulleiterin der Daimler Privatschule in Fujian, China, verfasst hat. Wellnitz beschäftigte sich auf der Grundlage der Fragestellung „So lernt man Siegen?“ mit dem Bildungssystem und dem Schulalltag in China, das mit der Provinz Shanghai als Spitzenreiter bei PISA mehrfach für Aufsehen gesorgt hat.

„Für uns Europäer schwer vorstellbar sind beispielsweise die Auswirkungen des Konfuzianismus mit seiner kollektivistischen Ausrichtung, der Betonung von ‚Arbeit und Fleiß‘, dem Streben nach Harmonie, Ordnung und klaren Hierarchien auf das Bildungssystem mit einem sehr hohen Stellenwert von Lernen und Schule, Disziplin und Höflichkeit gegenüber Lehrpersonen“, kommentierte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), einer der beiden Leiter des Studiengangs und Gutachter der Masterarbeit der Preisträgerin, die spannenden Ergebnisse. „Dass Unterricht in Klassen mit 50 oder mehr Schülern, in denen der Lehrer auf einem Podest steht, dass die Engführung der Methodik auf Vortrag, gemeinsames Nachsprechen von Gelerntem, Einzelarbeit, Lehrerfrage und Schülerantwort ertragreich sein kann, erscheint im deutschen Diskurs über möglichst kleine Klassen und Methodenvielfalt wie eine Provokation – aber auch als Hinweis darauf, wie wenig vergleich- und übertragbar die Verhältnisse sind“, sagte Riecke-Baulecke. Claudia Wellnitz sei es gelungen, die Bedingungsfaktoren für die Ergebnisse chinesischer Schülerinnen und Schüler bei PISA 2009 zu bestimmen, so dass die aus deutscher Sicht große Eigentümlichkeit schulischen Lehrens und Lernens in China besser zu verstehen sei. „Im Unterschied zu einigen publizierten Kommentaren seitens der OECD gelingt es Wellnitz auch, die Widersprüchlichkeiten herauszuarbeiten, die die Erfolge nicht überdecken sollten – nämlich das weitgehende Fehlen einer Erziehung zur Mündigkeit, die ohne kritische Auseinandersetzung im Unterricht schwer vorstellbar bleibt“, sagte Riecke-Baulecke.

„Das bundesweite SCHULEWIRTSCHAFT-Netzwerk baut Brücken zwischen Schule und Wirtschaft und fördert den Übergang von der Schule in den Beruf“, so Ulrich Wiethaup. Qualität von Schule beginne bei der Schulleitung. „Ich halte es deswegen für notwendig, schulische Führungskräfte systematisch zu qualifizieren. Ein Weiterbildungsstudium ist dazu grundsätzlich der beste Weg“, so der Bildungsexperte. Der Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ der Universität Kiel habe sich in wenigen Jahren zu einem unverzichtbaren Baustein des gesamten Schulwesens entwickelt. „Die Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT ist mit dem Masterstudiengang partnerschaftlich verbunden und stiftet für die innovativste Masterarbeit eines Jahrganges jährlich eine Auszeichnung“, lobte Wiethaup die bestehende Kooperation. Er freue sich, dass der Weiterbildungsstudiengang von den Führungskräften an den Schulen in Schleswig-Holstein so gut angenommen werde und wünsche dem Masterstudiengang viele weitere erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen aus ganz Deutschland.


Weitere Informationen und Fakten zum Masterstudiengang
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bietet den berufsbegleitenden Master-Weiterbildungsstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ mit dem Abschlussgrad Master of Arts (M.A) seit 2007 in Kooperation mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), dem Cornelsen Verlag sowie der Unternehmensvereinigung Nord (UV Nord) an. Die Schirmherren des Studiengangs sind Professor Jürgen Baumert, Direktor emeritus Emeritusgruppe Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, und Professor Manfred Prenzel, Leitung des Lehrstuhls für Empirische Bildungsforschung, TUM School of Education an der TU München, nationale Projektleitung der OECD-Erhebungen PISA 2003 und 2006.

Seit 2007 haben 404 Lehrkräfte am Masterstudiengang teilgenommen, davon 30 Prozent aus Schleswig-Holstein, 14 Prozent aus Hamburg, 13 Prozent aus Niedersachsen, 8 Prozent aus Nordrhein-Westfalen, 5 Prozent aus Bremen, 4 Prozent aus Berlin und 26 Prozent aus den restlichen Bundesländern. 6 Prozent der Studierenden sind im Ausland tätig, davon zehn Erstsemester (Belgien, Brasilien, Kanada, Libanon, Niederlande, Nigeria, Österreich, USA). 247 Studierende haben seit 2007 das Studium erfolgreich abgeschlossen, aktuell studieren 133 Lehrkräfte. 57 Prozent der Studierenden sind weiblich, 43 Prozent männlich. Am stärksten vertreten sind die Altersgruppen 30 bis 39 (199) sowie 40 bis 49 (124).

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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